Generationen anstatt Jahre

Um den Zeitpunkt von historischen Ereignissen zu beschreiben, wird oft gesagt, dass es vor xyz Jahren passierte. So ist die Erde ein paar hundert Millionen Jahre alt, den Homo Irgendwas gibt es seit ein paar hundert tausend Jahren, den modernen Menschen seit keine Ahnung Anzahl Jahren, usw. usf. Es sind kaum erfassbare und unvorstellbar große Zeiträume.

Ich habe irgendwann festgestellt, dass die Zahlen kleiner und überschaubarer werden, wenn man in Generationen anstatt in Jahren rechnet. Eine Generation hat 30-35 Jahre. Jede Generation beschreibt einen Vorfahren.

Die Menschen können seit etwa 35.000 Jahren das Feuer beherrschen, also seit knapp 1.000 Generationen. Das bedeutet, jeder von uns hat nicht mehr als 1.000 Vorfahren bis zu dem Zeitpunkt, als Menschen lernten, immer und überall Feuer zu machen. Den Ackerbau, also die gezielte Ertrags- und Vorratswirtschaft, kennt man in Europa seit ca. 6.000 – 9.000 Jahren. Also seit 170 bis 250 Generationen. Wir haben also gerade mal 200 Vorfahren, als diese noch in Fellen gekleidete Jäger und Sammler waren. Das sind doch schon verblüffend kleine Abstände und Zahlen, finde ich.

Vor 10.000 Jahren ging die letzte Eiszeit zu Ende. Also vor 300 Generationen/Vorfahren. Vor 4.000 Jahren=130 Generationen wurden die Pyramiden in Ägypten gebaut.

Jesus, 2.000 Jahre, gerade mal 60 Vorfahren.
Papsttum 1.600 Jahre, 50 Vorfahren.
Mittelater, 1.400 Jahre, 35 Vorfahren.

1492, Columbus entdeckt Amerika vor 500 Jahren. Vor 14 Generationen! Deine 12ten Urgroßeltern lebten zu der Zeit.
1776, die USA erklären ihre Unabhängigkeit vor 230 Jahren. Da lebten noch deine Ururururgroßeltern.

Mein Ururgroßmutter hat nie ein Auto gesehen. Nicht einmal von einem motorisierten Fahrzeug gehört. Mein Großmutter kannte noch den letzten deutschen Kaiser. Sie war 17, als er abdankte.
1969 waren die Menschen auf dem Mond. Vor etwas mehr als 1 Generation. Von der Beherrschung des Feuers bis zum Auto brauchten wir ca. 1.000 Generationen. Vom Auto bis zum Mondflug brauchten wir nur 2 Generationen.

Vor 1 Generation gab es im deutschen Fernsehen 3 Programme. 2 bundesweite und das Dritte, das regional unterschiedlich war. Vor einer halben Generation hatte man keine Handys und auch kein Internet. Heutige 30jährige führten mit 15 ein völlig anderes Leben, als es 15jährige heute tun.

Heute haben wir alle Internet mit HiSpeed, Audio, Video, Social Networks und mehr Inhalten, Reichweite und Einfluss, als je erwartet wurde. Noch vor 15 Jahren, gab es das alles nicht. Nirgendwo.

Die Zeiträume werden merklich erfassbarer und kürzer, wenn man in Generationen rechnet. Die Ereignisse rücken näher an einen heran. Man kann seine eigenen Position im zeitlichen Ablauf viel präziser bestimmen. Der zweite Weltkrieg ist *gerade mal* 2 Generationen her. Die deutsche Wiedervereinigung ist aber *schon* mehr als eine halbe Generation her.

Ich bin gespannt, wie es in einer halben oder ganzen Generation aussehen wird.

(ix)

3 Kommentare

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  1. 15. Dezember 2009 (20:54) | Permalink
    1

    „Vom Auto bis zum Mondflug brauchten wir nur 2 Generationen.“

    Der erste kontrollierte Motorflug war der der Gebrüder Wright und fand am 17. Dezember 1903 statt. Meine Großmutter konnte sich noch genau an die Berichterstattung darüber in den damaligen Zeitungen erinnern. Und sie war mehr als erstaunt, als sie knapp 66 Jahre später die erste Mondlandung live im Fernsehen (!) verfolgte. Man muss sich mal klarmachen, was für ein immenser Entwicklungssprung da während der Lebensspanne nur EINES Menschen stattgefunden hat.

    „Ich bin gespannt, wie es in einer halben oder ganzen Generation aussehen wird.“

    Das weltweit erste kommerzielle Mobiltelefon wurde 1983 von Motorola vorgestellt. Die ersten Vorläufer der heutigen Smartphones gab’s schon 1992/1993. Das sind gerade mal 10 Jahre. Also brauchte es dazu bereits WENIGER als ’ne halbe Generation. ;-)

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  2. 2. Januar 2010 (22:47) | Permalink
    2

    Was bringt das alles, wenn wir derweil eine Milliarde Menschen hungern lassen und trotz (oder wegen) aller technischer Höhenflüge das Weltklima zerstören. Also so richtig stolz und zufrieden kann man mit DER Entwicklung doch nicht sein …

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  3. ixiter
    3. Januar 2010 (12:35) | Permalink
    3

    @Stefan No.: Es geht in dem Artikel nicht darum, auf irgendetwas stolz zu sein. Es geht darum, dass große Zeiträume erfassbarer werden und man die eigene Position im historischen Geschehen besser bestimmen kann, wenn man eine Generationen als Bezugsgröße verwendet.

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