Und nun, etwas völlig anderes …

Symbolfoto

Wenn im Kölner Hauptbahnhof Film- oder Videoaufnahmen gemacht werden, kann es schonmal vorkommen dass zur gleichen Zeit junge Männer mit Taschen durch die Gegend laufen, die sie nicht behalten wollen. So auch heute wieder geschehen.

Nicht mal Spaß haben darf man

Ein befreundeter Gaukler erzählte mir heute von seiner Fast-Verhaftung im Kölner Hauptbahnhof. Aber der Reihe nach.

Der besagte Komödiant war mit einem „Fernsehteam“ im Kölner Haupbahnhof unterwegs, um ein paar schnelle Schwenks und scharfe Schnitte für irgendein komisches Format zu produzieren. Interessant zu erfahren war, das inzwischen auch die öffentlich rechtlichen Sender mitunter ein Praktikantenteam auf die Menschheit loslassen. Fachpersonal für die Kamera, Ton usw. war nicht vorhanden?! Die Redakteurin schulterte das gute Stück selber.

Man ist also bei den Dreharbeiten, redet lustiges Zeugs in die Kamera und an ihr vorbei, verhaspelt sich, geht zu schnell oder zu langsam … „Mist, das war gut aber unscharf“,  und das übliche Fernsehfuzzigetue eben, was so dazu gehört. Doch dann kommt das Unerwartete. Der GAU, von niemandem erkannt. Von allen unterschätzt. Eine einfache Bürgerin trifft Kunst.
Eine ältere Dame, sieht die Redakteurin mit dem Kofferradio auf der Schulter und den jungen Mann der um sie herumtanzt und irgendwelches Zeug auf das Kofferradio einredet. Oder singt er? Das Bild kennt sie jedenfalls aus irgendeiner Jugendsendung im Fernsehen, denkt sie sich. Und weltoffen ist sie auch. Die Jugend gibt sich zwar anders als früher, aber es sind nette Menschen und man muss auf sie zugehen .. denkt sie sich.

„Junger Mann, würden se mir helfen, de Koffer runter ze tragen?“, spricht sie unseren Protagonisten vertrauensvoll an , wohlwissend um die beiden Streifenpolizisten die sie schon in ein paar Metern Entfernung gesehen hat. Unser Comedian gerade in seinem kreativen Schaffen gestört, dreht erschrocken eine Pirouette bis die kleine alte Dame in sein Blickfeld ruckelt. So überrascht er aus seiner Konzentration gerissen wurde, so spontan kommt ihm der Gedanke für eine Improvisationskomik. Klar, Improkomik sollte ja auch spontan sein .. oder so. Jedenfalls findet er seinen Gedanken genial. Er greift sich die Tasche, grinst noch einmal hämisch in die Kamera und rennt mit seiner Beute davon.

Schade, niemand außer ihm findet das witzig. Und schon gar nicht  die beiden Polizisten, die unser Komiker vorher nicht gesehen hatte. Von dem einen Polizisten sah er zunächst nur ein Knie, das auf seiner linken Gesichtshälfte kniete. Von dem zweiten kurz danach einen Fuß, der vor ihm stand. Aber spüren konnte er die Beamten umso besser. In den Arm- und Schultergelenken und als Kniebank im Gesicht und Rücken. Wie er überhaupt auf den Boden gekommen ist, weiß er gar nicht genau. Es ging alles ziemlich schnell. Eben hat er sich noch diebisch über seinen tollen Gag gefreut, im nächsten Moment finden seine Füße beim Laufen den Boden nicht mehr, irgendwas reißt seinen Körper in eine Waagerechte, seine Arme werden auf dem Rücken verknotet und irgendein Mensch kniet auf ihm rum. „Uiuiui, das ist jetzt aber gar nicht mehr witzig.“, dachte er sich. Jetzt war nur noch zittern möglich und die Hoffnung, dass die Hose trocken bleibt.

„Nein, nein. Wir drehen einen Film.“, die Stimme klang bekannt. Die Redakteurin kam aufgeregt hyperventilierend hinzugerannt. Auf ihrer Stirn blinkte in roter Schrift das Wort „Angst“. Es gab ein paar Wortwechsel zwischen  den Polizisten, der Redakteurin und dem Komiker, dann ließen sie ihn aufstehen. Die alte Dame stand nur daneben, hatte inzwischen ihre Tasche zurück und fragte nur verwirrt, ob sie jetzt ins Fernsehen komme.

Auf die Frage eines Polizisten nach eine Drehgenehmigung, wurde aus dem zu drehenden Film plötzlich ein „Ach quatsch, das ist doch nur ein Urlaubsvideo“. Der Polizist hob eine Augenbraue, verzog einen Mundwinkel und meinte: „Ja klar. OK. Macht sowas nicht nochmal .. ihr ‚Urlauber‘“.

Die Dreharbeiten waren erstmal unterbrochen und wurden später fortgesetzt. Wieder zu hause angekommen, zittert der Comedian immer noch am ganzen Körper. Er muss es loswerden. Also setzt er sich ans ICQ und erzählt mir die Geschichte brühwarm. OK, bei ihm waren es nur 7 Sätze, aber ich dachte mir, es sollte auch noch was Füllstoff rein. :)

(ix)

2 Kommentare

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  1. Susanne Dawidson
    5. Februar 2010 (17:12) | Permalink
    1

    Medien und Staat können in einem merkwürdigen Verhältniss zueinander stehen.
    Vorbeugende Kommunikation bei Improvisationen kann man nicht anordnen.
    Es stellt sich die Frage, ob es so etwas wie Künstlerfreiheit gibt.

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  2. ixiter
    5. Februar 2010 (17:19) | Permalink
    2

    Hehe. Ja so kann man das auch betrachten.Immerhin hat die Staatsgewalt keine Sanktionen verhängt. Das ist doch schonmal ein guter Schritt in Richtung Freiheit.

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